Abrollumfangrechner

Bei jedem Reifen, den Du im Handel kaufen kannst, ist auch der Abrollumfang ausgewiesen. Nun können die meisten zwar die üblichen Reifenkennzeichnungen zuordnen oder wissen zumindest aus den Fahrzeugpapieren, welche Reifengröße sie brauchen. Mit dem Abrollumfang können aber die wenigsten etwas anfangen. Dabei kann es sehr nützlich sein, auch diese Abmessung zu kennen. Warum das so ist und wie Du den Abrollumfang selbst ausrechnen kannst, erfährst Du hier.

Was ist der Abrollumfang genau?

Der Abrollumfang ist die Strecke, die ein Reifen bei einer kompletten Umdrehung zurücklegt. Der Abrollumfang ist aber nicht der äußere Umfang, den ein Reifen hat. Stattdessen handelt es sich beim Abrollumfang um die Strecke, die die Lauffläche des Reifens bei einer ganzen Radumdrehung zurücklegt. Wenn Du Dir auf der Lauffläche des Reifens einen Punkt vorstellst und sich das Rad nun einmal komplett dreht, dann ist der Abrollumfang der Weg, den der Reifen gemacht hat, bis er wieder an dem Ausgangspunkt angekommen ist.

Einen einheitlichen Abrollumfang, der für alle Reifen und alle Fahrzeuge gleichermaßen gilt, gibt es dabei aber nicht. Dies liegt daran, dass der Abrollumfang von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Zu diesen Faktoren gehören unter anderem der Reifendurchmesser, der Luftdruck, die Profiltiefe und das Gewicht, das der Reifen bewältigen muss. Je höher das Gewicht ist, das auf den Reifen drückt, desto geringer ist der Abrollumfang. Die Ursache hierfür ist die Kompression. Eine sehr wichtige Rolle spielt außerdem die Geschwindigkeit. Je schneller Du fährst, desto größer ist die Auflagefläche des Reifens und damit auch der Abrollumfang. Um Messwerte zu erhalten, die miteinander verglichen werden können, gibt es in Deutschland deshalb die DIN 70020. Sie besagt, dass der Abrollumfang bei einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde gemessen werden muss.

 

Warum ist der Abrollumfang wichtig?

Für jedes Auto sind bestimmte Reifen mit einem gewissen Abrollumfang vorgesehen. Nun wirkt sich der Abrollumfang aber unter anderem auf die Getriebeübersetzung aus. Ein Reifen, der einen kleineren Abrollumfang hat als der für Dein Auto vorgesehene Standardreifen, neigt zu einer kürzeren Übersetzung. Dies wirkt sich vorteilhaft auf die Beschleunigung aus, könnte aber dazu führen, dass der Drehzahlmesser bei sehr hohen Geschwindigkeiten in den roten Bereich wandert. Verwendest Du auf der Vorder- und der Hinterachse Reifen in unterschiedlichen Größen, darf der Abrollumfang der beiden Reifengrößen nur um maximal 1,5 Prozent voneinander abweichen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass ABS und ASR nicht mehr einwandfrei funktionieren.Der wichtigste Punkt ist aber der, dass der Abrollumfang die Tachoanzeige beeinflusst. Der Tacho in Deinem Auto ist auf einen bestimmten Abrollumfang geeicht. Ziehst Du nun Reifen mit einem anderen Abrollumfang auf, wird die Geschwindigkeit nicht mehr richtig angezeigt. Kleine Toleranzen sind zwar zulässig, bei größeren Abweichungen muss der Tacho aber neu geeicht werden.

 

Wie wird die Reifengröße angegeben?

 

Damit Du den Abrollumfang berechnen kannst, musst Du zunächst einmal wissen, was die ganzen Angaben bei der Reifenkennzeichnung bedeuten. Dies lässt sich am besten an einem Beispiel erklären. In Europa wird die Reifengröße so angegeben:

205/55 R16 91H

 

 

  • 205 bezeichnet die Reifenbreite in Millimeter. Unser Beispielreifen ist also 205mm breit.
  • 55 beschreibt das Verhältnis zwischen der Reifenbreite und der Reifenhöhe in Prozent. Bei unserem Beispielreifen entspricht die Reifenhöhe 55% der Reifenbreite und damit 112,75mm.
  • R steht für die Bauart, in diesem Fall ein Radialreifen. Das Gegenstück zu Radialreifen sind Diagonalreifen. Sie werden mit einem D gekennzeichnet.
  • 16 gibt die Felgengröße in Zoll an. Ein Zoll sind 25,4mm. Eine 16-Zoll-Felge hat somit eine Höhe von 406,4mm.
  • 91 ist der Load Index oder Tragfähigkeitsindex. Die zweistellige Kennzahl gibt die Tragfähigkeit des Reifens in Kilogramm an.
  • H benennt den Speed- oder Geschwindigkeitsindex. Anhand des Buchstabens lässt sich ablesen, für welche Höchstgeschwindigkeit der Reifen zugelassen ist. H steht beispielsweise für eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h.

Weitere Infos rund um die Kennzeichnungen von Reifen kannst Du übrigens hier anschauen:

 

Wie wird der Abrollumfang berechnet?

Mithilfe der Reifenkennzeichnung kannst Du den Abrollumfang ausrechnen. Zunächst musst Du dafür den Gesamtdurchmesser des Reifens ermitteln. Diesen Wert multiplizierst Du mit der Kreiszahl Pi(3,14159) und erhältst dadurch den Abrollumfang. Die Rechenformel lautet also:

 

Reifenbreite x (Kennzahl der Reifenhöhe : 100) x 2 = Reifenanteil am Durchmesser
Felgengröße in Zoll x 25,4mm = Felgendurchmesser in mm
Reifenanteil + Felgendurchmesser = Gesamtdurchmesser des Reifens in mm
Gesamtdurchmesser des Reifens in mm x p = Abrollumfang

Am Beispiel unseres Reifens von oben sieht das Ganze dann so aus:

 

  • Reifenanteil am Durchmesser = 205mm x (55 : 100) x 2 = 205mm x 0,55 x 2 = 225,5mm
  • Durchmesser der Felge: 16 x 25,4mm = 406,4mm
  • Gesamtdurchmesser des Reifens: 225,5mm + 406,4mm = 631,9 mm
  • Abrollumfang: 631,9mm x Pi(3,14159) = 1985,17mm

 

Allerdings ist dieser ermittelte Abrollumfang nur ein annähernder Wert. Das liegt daran, dass ein Reifen nie kreisrund ist. Stattdessen ist er auf der Auflagefläche etwas flacher. Zudem beeinflussen der Luftdruck, die Geschwindigkeit, die Last und auch der Untergrund, über den der Reifen rollt, den Abrollumfang. Deshalb lässt sich der Abrollumfang allein aus den Reifenmaßen nicht exakt ausrechnen. In den Normtabellen zum Abrollumfang wird dies berücksichtigt. Laut Tabelle ist der Abrollumfang bei unserem Beispielreifen mit 1921mm deshalb auch etwas kleiner als der hier ausgerechnete Wert.

Abrollumfang Tabelle zum ausdrucken als PDF